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INSM & Co...
Essaywettbewerb mit dem Zeitverlag Die Nachdenkseiten berichteten am 16.12.2011, daß die Wochenzeitung »Die Zeit« gemeinmsam mit der von den Metallarbeitgebern finanzierten Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) einen Essay-Wettbewerb ausrichtet. Dieser wird auch auf der Seite der INSM beworben. Die Essays sollen sich mit der Frage beschäftigen, was soziale Marktwirtschaft heute leisten müsse (Quelle). Teilnehmen können nur an der Universität eingeschriebene Studenten. Es werden hohe Preisgelder ausgelobt sowie an die ersten 50 eingehenden Autoren ein Jahresabonnement der Zeit verteilt. Die Essays werden von einer namhaften Jury unter Vorsitz des ehemaligen Bundesbankpräsidenten Hans Tietmeyer (ebd.) bewertet, die dann auch den Sieger auswählt. Wer dieser namenhaften Jury angehört wird allerdings weder auf den Seiten der INSM noch bei der Ausschreibung in der Zeit, die nur den Text der INSM übernommen hat, aufgeführt. Sicher dürfte sein, daß diese »namenhafte Jury« dafür sorgen wird, daß es keine Texte als Preisträger geben wird, die sich kritisch mit der »sozialen Marktwirtschaft« nach Lesart der INSM auseinandersetzen wird. Völlig ungeklärt ist zudem, welche Rolle »Die Zeit« bei diesem Wettbewerb spielt, ob sie Einfluß auf den Ablauf nimmt oder einfach nur mit ihrem Namen für eine bessere Reputation dieser Veranstaltung sorgt. Die zentrale Frage, die sich stellt, lautet, welchen eigenständigen Beitrag die ZEIT, beziehungsweise der Zeitverlag zu diesem Wettbewerb leistet. Noch immer ist der INSM-Kurator Tietmeyer der Einzige, der von der angeblich namenhaften Jury genannt wird. Weil die Anmeldung zum Wettbewerb über den Server der ZEIT läuft, kann als gesichert angenommen werden, daß es eine Kooperationsvereinbarung mit dem Verlag gibt und dies nicht wieder eine Ente ist wie bei der Aktion »Deutschland 24/30«, als den Journalisten, die sich für die Berichterstattung im Rahmen dieser Kampagne bei der INSM bewarben, suggeriert wurde, sie könnten unter anderem Angela Merkel interviewen, obwohl solche Termine nicht vereinbart waren. Zudem entsteht der Eindruck, daß durch die Beteiligung der Zeit die Essays auch journalistisch geprüft wurden. Dies kann allerdings nur vermutet werden, weil eben die Besetzung der Jury bis auf Tietmeyer nicht bekanntgegeben ist. Insofern – und wirtschaftskampangen.de wird da auch dranbleiben – ist die Frage wirklich interessant, welchen Beitrag die ZEIT leistet, außer mit ihrem Namen die Ergebnisse des Wettbewerbs journalistisch zu veredeln. Schon im Vorfeld kann als gesichert gelten, daß die gewinnenden Essays auf der politischen Linie der INSM liegen werden. Das läßt sich allein schon aus dem Punkt 3 der Teilnahmebedingungen ableiten, nach dem die INSM die Veröffentlichung von Beiträgen ohne Angabe von Gründen ablehnen kann. Die Teilnehmer räumen der INSM ein uneingeschränktes Nutzungsrecht ein und haben im Falle der Veröffentichung keine Vergütungsansprüche (Quelle, Punkte 2-4 (30.12.2011)). Es gehört zu en üblichen Strategien der INSM, solche Wettbewerbe zusammen mit Printmedien auszurichten. Durch die Beteiligung von Zeitungen oder Zeitschriften soll der Eindruck der Überparteilichkeit entstehen, und in diesem Falle wohl auch der der journalistischen Qualität bei den ausgewählten Essays. Dabei wäre es wünschenswert zu wissen, aus wem die Jury über den INSM-Botschafter Tietmeyer hinaus besteht und ob der Zeitverlag wirklich einen eigenständigen Beitrag zu diesem Wettbewerb leistet. In welchem Ausmaß und auf welche Art kann der Zeitverlag mitentscheiden, welcher Essay gewinnt? Diese Frage ist zentral, wenn die politische und journalistische Einordnung der gewinnenden Beiträge durch das Publikum gelingen soll. © Udo Ehrich 20.01.2012 Buchveröffentlichung: INSM & Co. Wie die Wirtschaft unser Bewußtsein steuern will Erschienen bei epubli und zu beziehen über den Buchhandel, direkt im epubli-Shop oder Amazon. |